Glossar Mikroimpulsschweißen: die wichtigsten Begriffe erklärt

Rund um das Mikro-WIG-Schweißen tauchen viele Fachbegriffe auf: WIG, Impulsdauer, Wärmeeinflusszone, Schutzgas, Auftragsschweißen. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten kurz und verständlich, gegliedert in fünf Bereiche: Verfahren und Synonyme, Prozessablauf, Parameter und Steuergrößen, Werkstoffe und Verbindung sowie Anwendungen und Begriffe aus der Praxis. Gedacht ist es für Einsteiger, die das Verfahren kennenlernen, und für Anwender, die einen Begriff schnell nachschlagen wollen. Wie der Schweißimpuls im Detail entsteht, zeigt ergänzend das Lampert Schweißprinzip.

Der Micro Arc Welder - das universelle WIG-Präzisionsschweißgerät

Verfahren und Synonyme

Dasselbe Verfahren trägt mehrere Namen. Die folgenden Begriffe meinen alle das gepulste WIG-Feinschweißen, das Lampert seit 2001 baut.

BegriffBedeutung
Mikro-WIG-SchweißenFeinschweißverfahren auf WIG-Basis, das mit einzelnen, exakt dosierten Stromimpulsen statt mit einem stehenden Lichtbogen arbeitet. Entwickelt von der Lampert Werktechnik GmbH in Werneck, im Einsatz seit 2001.
Mikro-WIGDie gepulste Feinvariante des WIG-Prinzips für Materialstärken ab 0,1 mm. Lampert verwendet Mikro-WIG, Feinschweißen und Mikroimpulsschweißen synonym.
WIG (Wolfram-Inertgas)Schweißverfahren, bei dem eine nicht abschmelzende Wolframelektrode den Strom überträgt und das Inertgas Argon die Schweißzone vor Oxidation schützt. Englisch TIG (Tungsten Inert Gas).
Pulse Arc WeldingEnglische Bezeichnung für Mikroimpulsschweißen. Technisch synonym wird auch Micro TIG Welding verwendet.
FeinschweißenSynonym für Mikroschweißen, Mikro-WIG-Schweißen und Mikroimpulsschweißen. Sammelbegriff für das dauerhafte Fügen dünner oder filigraner Metallteile, typischerweise bei Materialdicken unter 0,5 mm.
Klassisches WIGDas herkömmliche WIG-Schweißen mit stehendem Lichtbogen. Es bringt mehr Wärme flächig ein, die Wärmeeinflusszone wächst auf mehrere Millimeter bis Zentimeter. Geeignet für längere Nähte und dickere Werkstoffe ab etwa 0,5 bis 1 mm.

Der Schweißprozess Schritt für Schritt

Der Ablauf läuft nach dem Elektrodenkontakt automatisch ab. Diese Begriffe beschreiben die einzelnen Stufen eines Schweißimpulses.

BegriffBedeutung
LichtbogenzündungDer Lichtbogen entsteht automatisch im Moment, in dem die Elektrodenspitze das Werkstück berührt. Anschließend zieht sich die Elektrode elektronisch ins Handstück zurück, der Lichtbogen wird aufgezogen.
SchweißimpulsDer eigentliche Energiestoß: Der Lichtbogen bleibt für eine vorgewählte Zeit aktiv und erzeugt einen Schweißpunkt der gewünschten Intensität. Nach dem Impuls strömt das Schutzgas nach und schützt die erstarrende Naht, danach kann der nächste Impuls folgen.
VorströmungDas Schutzgas öffnet kurz vor der Zündung und verdrängt den Sauerstoff aus der Schweißzone, bevor der Lichtbogen entsteht.
NachströmungDas Schutzgas läuft nach dem Impuls weiter und schützt die noch warme Schweißzone während der Erstarrung vor Oxidation.
ErstarrungDas aufgeschmolzene Metall erstarrt im Millisekundenbereich unter weiterem Schutzgasstrom. Der fortlaufende Argonstrom verhindert dabei Oxidation.
Automatischer AbbruchSobald die Elektrode das Werkstück nicht mehr berührt, bricht der Vorgang sofort ab. Unkontrollierte Schweißungen sind damit ausgeschlossen.

Parameter und Steuergrößen

Zwei Stellgrößen bestimmen das Ergebnis: die Energie für die Spitzenleistung und die Impulsdauer für die Eindringtiefe. Dazu kommen Schutzgas, Elektrode und die vorprogrammierten Schweißkurven.

BegriffBedeutung
ImpulsdauerDie Dauer des einzelnen Stromimpulses, beim Lampert-Verfahren 0,1 bis 34 Millisekunden. Sie steuert vor allem die Eindringtiefe: längere Impulse bedeuten tiefere Eindringung.
EnergieIn Lampert-Geräten als Prozentwert zur Ampere-Maximalleistung dargestellt. Sie bestimmt die Spitzenleistung im Impuls und damit den Durchmesser des Schweißpunkts. Workshop-Faustregel für dünnes Material (ca. 0,2-0,3 mm): mit 15 bis 25 % Energie und 0,5 bis 1,5 ms einsteigen, dann schrittweise erhöhen.
EindringtiefeWie tief der Schweißpunkt ins Werkstück reicht. Sie wird primär über die Impulsdauer gesteuert; der Elektrodenwinkel beeinflusst zusätzlich die Flussrichtung des Schmelzbades.
Wärmeeinflusszone (WEZ)Der thermisch beeinflusste Bereich um den Schweißpunkt. Beim Mikro-WIG-Schweißen bleibt sie bauteilabhängig unter 1 mm, deutlich kleiner als beim klassischen WIG mit stehendem Lichtbogen.
SchweißpunktDer einzelne Auftreffpunkt des Impulses. Der Durchmesser liegt je nach Material und Einstellung zwischen 0,2 und 4,0 mm. Überlappend gesetzte Punkte ergeben dichte Nähte.
WolframelektrodeNicht abschmelzende Elektrode aus Wolfram, üblich mit Lanthanoxid-Zusatz (WLa). Sie überträgt nur den Energieimpuls und schmilzt selbst nicht; das Schweißmaterial kommt vom Werkstück oder vom Schweißdraht.
Argon-SchutzgasInertes Edelgas, das den Sauerstoff aus der Schweißzone verdrängt und Oxidation während Impuls und Erstarrung verhindert. Pflicht beim Lampert-Verfahren, Durchfluss ca. 2 l/min, kein Mischgas und kein CO₂. Das Schutzgas ersetzt zugleich das Flussmittel, Beizen entfällt.
Argon 4.6Argon mit einer Reinheit von 99,996 %, der Standard für WIG- und Mikro-WIG-Schweißen.
SchweißkurvenVorprogrammierte Schweißkurven für bessere Schweißbarkeit für die gängigen Materialien. Der Bediener wählt Metalltyp und Schweißsituation, die Kurve übernimmt den optimalen Energiefluss und die Steuerung automatisch, ohne manuelles Feintuning.
Speed-FunktionFunktion für Werkstoffe mit hoher Wärmeleitfähigkeit wie Silber und Kupfer. Sie unterstützt zügige Punktfolgen, damit die Wärme nicht zu schnell abfließt.

Werkstoffe und Verbindung

Was beim Mikro-WIG-Schweißen entsteht, ist eine echte metallurgische Verbindung, kein Lot und kein Kleber. Diese Begriffe ordnen Werkstoffe, Zusatzmaterial und die Abgrenzung zum Löten ein.

Begriff Bedeutung
Metallurgische Verbindung Verbindung durch Aufschmelzen beider Grundwerkstoffe, im Gegensatz zur Haftverbindung beim Löten. Bei artgleichem Schweißdraht ist die Verbindung farbgleich und nahezu unsichtbar, ohne Flussmittel und ohne Beizen.
Schweißdraht Separat zugeführtes Zusatzmaterial zum Auffüllen oder Aufbauen. Grundregel: möglichst gleiche Legierung wie das Werkstück wählen, sonst drohen Farbunterschiede oder mechanische Schwächen. Bei Edelmetall-Drähten schwanken die Preise mit dem Metallmarkt.
Aluminium-Modus Spezieller Betriebsmodus beim Micro Arc Welder optimiert für Aluminium. Aluminium gilt als anspruchsvoller als Edelstahl, weil die Oxidschicht durchbrochen werden muss; zudem ist die Drahtwahl entscheidend.
Mu-Metall Weichmagnetische Nickel-Eisen-Legierung für Magnetabschirmungen, Sensoren und Elektronik, schweißbar mit dem Micro Arc Welder. Nach der Schweißung kann ein Glühen nötig sein, um die magnetische Permeabilität im Schweißbereich wiederherzustellen.
Nicht schweißbare Metalle Metalle mit sehr niedrigem Schmelzpunkt wie Zink, Blei und vor allem Zinkdruckguss (typisch bei billigem Modeschmuck). Sie verspritzen oder schmelzen unkontrolliert. Bei unklarer Legierung hilft eine Musterschweißung.

Anwendungen und Begriffe aus der Praxis

Diese Begriffe beschreiben typische Aufgaben und Verfahren aus dem Arbeitsalltag, von der Reparatur über das Dichtschweißen bis zur Qualitätsprüfung.

BegriffBedeutung
AuftragsschweißenGezielter Materialaufbau auf einer Oberfläche zur Reparatur oder Erweiterung. Typische Beispiele: Kantenaufbau im Werkzeugbau oder das Auffüllen einer Gravur mit artgleichem Draht zum anschließenden Überpolieren.
Heften (Tacken)Das Setzen einzelner Schweißpunkte, um Teile vor dem weiteren Prozess zu fixieren. So lassen sich Baugruppen komplett vormontieren und dann verschweißen.
FixierschweißenModus zum Heften kleiner Teile vor der eigentlichen Schweißung, damit sie nicht verrutschen. Der PUK bringt dafür einen eigenen Fixierschweiß-Modus mit (80 bis 700 A bei 1,5 ms); ergänzend gibt es das Fixier-Schweißset (Art. 100 845).
Hermetic Sealing (Dichtschweißen)Gas- und flüssigkeitsdichter Verschluss von Sensorgehäusen, Kapseln und Bauteilen. Ein Kernanwendungsfeld in Elektronik, Medizintechnik und Labor.
Helium-LecktestPrüfverfahren, mit dem die Dichtheit eines hermetischen Verschlusses kontrolliert wird. Nach der Schweißung möglich; die erreichbare Leckrate hängt von Geometrie und Vorbereitung ab.
Schweißen in EdelsteinnäheDurch den punktgenauen Wärmeeintrag lässt sich direkt neben gefassten Steinen schweißen, ohne sie zu beschädigen. Sehr empfindliche Steine schützt in der Praxis ein feuchtes Papier.
SchweißberichtDokumentation der Schweißung, wichtig in Medizintechnik und Luftfahrt. Der Micro Arc Welder liefert dafür Programmspeicher und eine Modbus-TCP/IP-Schnittstelle, inklusive Schweißpunkt-Zählung.
MusterschweißungKostenfreie Probeschweißung der Lampert-Anwendungstechnik an eingesandten Werkstücken, mit schriftlichem Schweißbericht. Sinnvoll bei unklarer Legierung oder anspruchsvollen Anforderungen.

Mehr Tiefe zu den Begriffen

Dieses Glossar gibt den schnellen Überblick. Die Herleitung des Verfahrens mit allen Prozessschritten steht im Lampert Schweißprinzip, die Einordnung in die Verfahrensfamilie im Beitrag zum Mikroschweißen. Wer die häufigsten Fragen in ganzen Antworten sucht, findet sie in der Lampert-FAQ.

Für zwei Anwendungsthemen gibt es eigene Leitfäden: Hermetic Sealing mit Mikro-WIG-Schweißen und den Helium-Lecktest.

Bleibt ein Begriff oder ein konkretes Werkstück offen: Eine kurze Beschreibung an [email protected] genügt, auf Wunsch mit kostenfreier Musterschweißung.

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