Hermetisches Verschweißen mit Mikro-WIG-Schweißen: gas-, flüssigkeits- und vakuumdichte Verschlüsse

Hermetische Verschlüsse, im Englischen hermetic sealing, sind gas-, flüssigkeits- und vakuumdichte Abschlüsse von Kapseln, Sensorgehäusen und elektronischen Bauteilen. Sie müssen zugleich die geforderte Leckrate einhalten, den Wärmeeintrag auf den Kapselinhalt gering halten und eine über die Charge reproduzierbare Nahtqualität liefern. Mikro-WIG-Schweißen mit dem Lampert Micro Arc Welder erfüllt diese Anforderungen für Labor, Forschung, Sensor-Kleinserien und Medizintechnik.

Goldkapseln gasdicht verschweißt mit dem Lampert Micro Arc Welder

Warum hermetisches Verschließen ein Prozessproblem ist.

Eine Kapsel, ein Sensorgehäuse oder ein Elektronikgehäuse vakuumdicht zu verschließen, scheitert selten an der Schweißnaht selbst. Die eigentliche Randbedingung ist der Inhalt: radioaktive Seeds, Lithium-Elektrolyt, biologische Proben, luftempfindliche Katalysatoren, vorbestückte Sensorelektronik oder die kalibrierte Füllung eines Druckaufnehmers. Wärme, Vibration und Kontamination dürfen den Inhalt nicht erreichen. Damit verschiebt sich die Frage von „lässt sich diese Naht gasdicht ausführen?“ zu „lässt sie sich gasdicht ausführen, ohne den Inhalt zu verändern?“.

Drei Eigenschaften entscheiden, in dieser Reihenfolge:

  1. Dichtheit unter der anwendungsspezifischen Leckrate: 
    Welcher Wert nötig ist, gibt die Anwendung vor.
  2. Minimaler Wärmeeintrag auf den Inhalt: 
    Die Wärme soll in der Kapselwand bleiben und nicht den Inhalt beeinträchtigen. 
    Der entscheidende Faktor dabei ist die gewählte Impulsdauer im Millisekundenbereich.
  3. Reproduzierbarkeit über die Charge:
    Voreingestellte Schweißkurven, dokumentierte Parameter und eine definierte Werkstückaufnahme sind wichtiger als die Bedienererfahrung allein.

 

Wie dicht ist „hermetisch dicht“?

„Hermetisch“ ist kein Absolutwert. Der Begriff bezieht sich immer auf eine spezifizierte Leckrate. Geprüft wird gestuft: zuerst der Feinleck-Test per Helium-Massenspektrometrie, danach der Grobleck-Test. Helium dient als Prüfgas, weil es in der Atmosphäre nur in Spuren vorkommt, chemisch inert ist und sich massenspektrometrisch empfindlich nachweisen lässt.

Typische Spezifikationen liegen je nach Anwendung zwischen etwa 10⁻⁶ mbar·l/s für größere industrielle Gehäuse und 10⁻⁹ mbar·l/s für implantierbare Elektronik und Hochpräzisionsanwendungen. Die US-Norm MIL-STD-883 Method 1014, die für Mikroelektronik-Gehäuse gilt, staffelt die zulässige Leckrate nach Hohlraumvolumen in genau diesem Bereich. Welche Leckrate eine konkrete Naht erreicht, hängt von Geometrie, Werkstoff und Vorbereitung ab und wird am fertigen Bauteil per Helium-Lecktest validiert.

Platinkapsel beim Mikroimpulsschweißen mit dem Lampert Micro Arc Welder, Lichtbogen-Zündung

Typische Anwendungen

Labor und wissenschaftliche Kapselung

  • Brachytherapie-Kapseln: 
    Radioaktive Seeds in dünnwandigen Edelstahl- oder Titankapseln verschließen, ohne den Inhalt thermisch zu beeinflussen. Die WIG-Verschweißung des offenen Kapselendes ist für umschlossene Strahlenquellen ein etabliertes Produktionsverfahren
  • Hochdruckkapseln:
    Platin- und Pt-Rh-Kapseln für die experimentelle Hochdruckforschung und die Hydrothermalsynthese
  • Kapselung in einer Glovebox:
    Luft- oder feuchtigkeitsempfindliche Proben unter Inertgasatmosphäre verschließen
  • Referenz- und Standardkapseln:
    Z. B. für die isotopische, die Neutronenaktivierungs- und die Spurenelementanalytik

Industrielle Sensorik und Elektronik

  • Drucksensor-Verschluss:
    Edelstahl-Sensorgehäuse der Schutzart IP67/IP68 dicht verschließen
  • Beschleunigungssensor- und Gyroskop-Kapseln:
    Luft- und vakuumdichte Sensorbauformen für Luft- und Raumfahrt, Fahrzeugtechnik und Messtechnik
  • Gehäuse um Glas-Metall-Durchführungen verschließen:
    Der finale, hermetische Gehäuseverschluss am Sensor
    Glas-Metall-Durchführungen mit Kovar sind der Standard für die elektrischen Leitungen; das Schweißen schließt das Gehäuse darum herum.
  • Hermetische Elektronikgehäuse:
    Z. B. für Hochzuverlässigkeitsanwendungen in Luft- und Raumfahrt, Subsea-Technik, Verteidigung und Medizintechnik

Medizintechnik

  • Implantierbare Sensoren und Stimulatoren:
    Titan- und Edelstahlgehäuse verschließen, ohne die innenliegende Elektronik thermisch zu schädigen
  • Implantierbare Freisetzungssysteme:
    Dichte Wirkstoffreservoire für die kontrollierte Medikamentenabgabe
  • Schutz empfindlicher Elektronik:
    Z. B. gegen Körperflüssigkeiten in aktiven Implantaten

Werkstoffe für hermetische Verschlüsse

WerkstoffTypischer EinsatzAnmerkung
Edelstahl 1.4404 / 316LSensor- und Druckaufnehmergehäuse, Brachytherapie-Kapselnsehr gut schweißbar, biokompatibel
Edelstahl 1.4307 / 304Lallgemeine Laborkapselung, lebensmittelkonforme Anwendungensehr gut schweißbar
Titan Grad 2 / Grad 5implantierbare Gehäuse, korrosionskritische Laborkapselnsehr gut schweißbar, biokompatibel
Platin und Pt-Rh-LegierungenHochdruckkapseln, Hochdruckforschungsehr gut schweißbar, dünne Wandstärken
Kovar (FeNiCo)Glas-Metall-Durchführungen, Elektronik-Hermetiketabliert für hermetische Verbindungen
Nickelbasislegierungen 
(Inconel, Hastelloy)
Hochtemperatur-Sensorgehäusesehr gut schweißbar
Tantalkorrosionskritische Kapselungbedingt geeignet, Probeschweißung empfohlen
Niob, ZirkoniumLaborspezialanwendungenbedingt geeignet, Probeschweißung empfohlen

Warum Mikro-WIG-Schweißen für hermetische Verschlüsse?

Minimaler Wärmeeintrag auf den Inhalt:
Impulsdauern von 0,1 bis 34 Millisekunden halten das Kapselinnere während der Verschlussschweißung praktisch auf Umgebungstemperatur. Bei Brachytherapie-Seeds, biologischen Proben, luftempfindlichen Substanzen und vorbestückter Sensorelektronik entscheidet das über ein brauchbares oder ein beschädigtes Bauteil.

Validierbare Dichtheit:
Bei sauberer Vorbereitung erreicht die Naht reproduzierbare Leckraten im industriellen Hermetikbereich. Den konkreten Wert weist ein Helium-Lecktest am fertigen Bauteil nach; er ist anwendungsspezifisch.

Reproduzierbarkeit durch voreingestellte Schweißkurven:
Der Micro Arc Welder bringt zwölf Werkstoffprogramme mit (Universal, Gold, Silber, Platin, Palladium, Bronze, Edelstahl, Titan, Aluminium, Zinn, Messing, Kupfer). Nickelbasislegierungen wie Inconel lassen sich ebenfalls verschweißen. Parameter sind dokumentiert, Abläufe wiederholbar.

Einsatz in der Glovebox:
Mit entsprechender Vorbereitung arbeitet das Gerät unter Inertgasatmosphäre.

Reine metallurgische Verbindung:
Kein Flussmittel, keine Lötgrenze, keine Kontaminationspfade. Das ist bei Laboranwendungen mit isotopischer oder chemischer Analytik wichtig.

Kosten- und Bauraumvorteil gegenüber dem Laser bei Kleinserien:
Vergleichbare Verschlussqualität bei einem Bruchteil der Investition eines Lasersystems, dazu eine mobile Tischbauform. 
Für Großserien bleibt der Laser die wirtschaftlichere Wahl.

Vergleich der Hermetik-Verfahren

VerfahrenStärkeSchwächeBeste Eignung
Mikro-WIG-Schweißen (Lampert Micro Arc Welder)Einzelteile und Kleinserien, mobil, Tischbauform mit Mikroskop, breites Werkstoffspektrum, niedrige Investitionnicht für Großserien im Millionenbereich ausgelegtLabor, Forschung, Sensor-Kleinserien, Medizintechnik-Implantate
Laserschweißenhohe Präzision, automatisierbar, großserientauglichhohe Investition, stationärGroßserien mit definierter Geometrie
Elektronenstrahlschweißentiefe, schmale Naht, sehr kleine Wärmeeinflusszonesehr teuer, Vakuumkammer nötighochwertige Hermetik in der Luft- und Raumfahrt
Glas-Metall-Durchführung (gelötet)Standard für elektrische Durchführungeneine Komponente, kein Gehäuseverschlusselektrische Leitungsdurchführungen
Widerstands- und Bahnnahtschweißengroßserientauglichnur für definierte GeometrienLithiumzellen, Dosenverschlüsse
Ultraschallschweißenschnell, kein thermischer Eintragauf Polymere beschränktPolymer-Hermetik

Als Faustregel gilt: Laboreinzelteile, Forschungskapseln, Sensor-Kleinserien und Implantatgehäuse sprechen für den Micro Arc Welder, die millionenfache Serienfertigung für Laser oder Bahnnahtschweißen.

Praxis-Empfehlungen

Vorbereitung

  • Werkstück gründlich vorreinigen, üblicherweise im Ultraschallbad. Verunreinigungen führen zu Poren in der Naht.
  • Bauteil vor dem Schweißen fertigbearbeiten: versäubern, beschriften, Oberfläche behandeln.
  • Erst den Inhalt einbringen, dann die Kapsel verschließen.

Schweißparameter

  • Niedrige Energie und eine spitz angeschliffene Wolframelektrode für dünne Kapselwände. Praktischer Einstieg: 15 bis 25 % Energie, 0,5 bis 1,5 ms Impulsdauer, ggf. schrittweise erhöhen.
  • Schutzgas Argon ≥ 99,9 % (Argon 4.6), Durchfluss etwa 2 l/min mit automatischem Vor- und Nachströmen.
  • Bei sehr wärmeempfindlichem Inhalt eine Aufnahme zur Wärmeableitung oder Spannvorrichtung nutzen, die Wärme vom Inhalt wegleitet.

Validierung

  • Helium-Lecktest nach der Schweißung. Die erreichbare Leckrate hängt von Geometrie und Vorbereitung ab.
  • Sichtprüfung unter dem Mikroskop: saubere, oxidfreie Naht ohne Poren.
  • Querschliff am Erstmuster, um Einschweißtiefe und Nahtqualität zu dokumentieren.

Geräteempfehlung: der Lampert Micro Arc Welder

SpezifikationWert
Spitzenstrom (WIG)5 bis 1.200 A
Impulsdauer0,1 bis 34 ms
Minimale Werkstückdicke0,1 mm
Schweißpunkt-Durchmesser0,2 bis 4,0 mm; über 1 mm Einbrand mit 1,3 mm-Elektrode
Werkstoffprogramme (voreingestellt)12 (Universal, Gold, Silber, Platin, Palladium, Bronze, Edelstahl, Titan, Aluminium, Zinn, Messing, Kupfer)
Aluminium-Modusspeziell optimiert
Industrie-4.0-SchnittstelleModbus TCP/IP über LAN (21 dokumentierte Register)
Patentierte Schweißprozessregelungja (Echtzeit-Fehlererkennung)
SchutzgasArgon ≥ 99,9 %, etwa 2 l/min
Displayhochauflösend, 768 × 576 Pixel
Gewicht10,9 kg
ZertifizierungEN 60974-6, EN 61000-6-2/-6-4, RoHS 2011/65/EU; UKCA-konform
Garantie1 Jahr, in Deutschland entwickelt und hergestellt
Investition (Komplett-Einstieg)ab etwa 7.000 EUR netto
Schulungeintägiger Workshop in Werneck (eigene Werkstücke willkommen)

Häufige Fragen zum hermetischen Verschweißen

Lassen sich Brachytherapie-Kapseln mit dem Micro Arc Welder verschließen?

Ja. Dünnwandige Titan- und Edelstahlkapseln lassen sich mit minimalem Wärmeeintrag verschließen. Die WIG-Verschweißung umschlossener Strahlenquellen ist ein etabliertes Verfahren. Eine anwendungsspezifische Validierung per Helium-Lecktest ist sinnvoll.

Ist ein Helium-Lecktest nach der Schweißung möglich?

Ja. Die Naht lässt sich nach dem Schweißen per Helium-Lecktest prüfen. Die erreichbare Leckrate hängt von Geometrie, Werkstoff und Vorbereitung ab.

Eignet sich das Gerät für den Einsatz in einer Glovebox?

Mit entsprechender Vorbereitung ja. Der Prozess läuft unter Argon-Inertgasatmosphäre.

Worin unterscheidet sich Mikro-WIG vom Laser-Verschweißen?

Mikro-WIG ist bei Einzelteilen und Kleinserien wirtschaftlicher und mobil einsetzbar, der Laser bei Großserien mit definierter Geometrie. Die Verschlussqualität ist im Kleinserienbereich vergleichbar, die Investition deutlich niedriger.

Lassen sich Platinkapseln für die Hochdruckforschung verschließen?

Ja. Platin und Pt-Rh-Legierungen sind dünnwandig sehr gut schweißbar und in der experimentellen Hochdruckforschung gebräuchlich.

Welches Schutzgas und welcher Durchfluss?

Argon ≥ 99,9 % (Argon 4.6) bei etwa 2 l/min, mit automatischem Vor- und Nachströmen.

Worin unterscheidet sich Mikro-WIG vom Elektronenstrahlschweißen für die Luft- und Raumfahrt sowie den Automotive-Sektor?

Das Elektronenstrahlschweißen erzeugt im Vakuum sehr tiefe, schmale Nähte mit kleinster Wärmeeinflusszone, verlangt aber eine Vakuumkammer und hohe Investitionen. Mikro-WIG arbeitet an Atmosphäre unter Schutzgas und eignet sich für Einzelteile und Kleinserien im Aerospace- und Automotive-Bereich.

Wer berät zu einer konkreten Aufgabe?

Das Lampert-Applikationsteam nimmt Anfragen unter [email protected] entgegen und erstellt auf Wunsch eine Probeschweißung mit schriftlichem Schweißbericht.

Wann Mikro-WIG-Schweißen die richtige Wahl ist

Für Laborkapseln, Forschungskapselung, Sensor-Kleinserien und Implantatgehäuse passt der Lampert Micro Arc Welder: Er liefert dichte Nähte im industriellen Hermetikbereich, hält die Impulsdauer kurz genug für den Schutz des Kapselinhalts und bringt zwölf voreingestellte Werkstoffprogramme für reproduzierbare Ergebnisse über die Charge mit. Die Investitionsschwelle von etwa 7.000 EUR für einen kompletten Tischarbeitsplatz liegt eine Größenordnung unter vergleichbaren Lasersystemen. Entscheidend ist das, wenn das Produktionsvolumen im Dutzend- bis Tausenderbereich liegt und nicht im Millionenbereich.

Für millionenfache Großserien mit definierter Geometrie, etwa Sensorgehäuse in der Fahrzeugtechnik oder Lithiumzellen-Verschlüsse, bleiben Laser- und Bahnnahtschweißen wirtschaftlicher. Die Verfahren ergänzen sich: Mikro-WIG für Entwicklung, Prototypvalidierung und Kleinserie, der Wechsel auf den Laser dann, wenn das Jahresvolumen die Investition trägt.

Für Probeschweißungen und eine anwendungsspezifische Beratung ist das Lampert-Applikationsteam unter [email protected] erreichbar. 
Jeder Probeschweißung liegt ein schriftlicher Schweißbericht bei.

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