Schweißen oder Löten: was ist wann die richtige Verbindung?

Beide Verfahren verbinden Metall und beide haben ihre Berechtigung. Die Entscheidung hängt oft am konkreten Anwendungsfall und den entsprechenden Anforderungen. Wie viel muss die Verbindung halten? Übersteht ein gefasster Stein die Wärme? Sieht man die Fügestelle hinterher? Und was kostet die Reparatur am Ende?

Mit dem Löten wird hier das Mikro-WIG-Schweißen verglichen, also das gepulste Feinschweißen an Materialstärken ab 0,1 mm, wie es in Schmuckwerkstätten, Dentallaboren und in der Industrie eingesetzt wird. 

Mikro-WIG-Impuls setzt Material an einer Krappe auf, der gefasste Stein bleibt im Werkstück
Der Impuls dauert Millisekunden. Der Stein bleibt gefasst, das Werkstück handwarm.

Kurz gesagt

  • Beim Löten schmilzt nur das Lot, beim Schweißen schmilzt das Bauteil selbst. Hieraus ergeben sich die meisten folgenden Unterschiede.
  • Der praktische Hauptunterschied ist die Wärme. Löten erwärmt das gesamte Werkstück, Mikro-WIG-Schweißen erwärmt nur einen Punkt von 0,2 bis 4 Millimetern.
  • Löten bleibt die richtige Wahl, wo ein Spalt gefüllt, eine Fläche verbunden oder ein ungleiches Werkstoffpaar gefügt werden soll. Kapillarverbindungen, lange Nähte, einfache Elektronik (nicht Hochtemperatur) und Ofenlötung sind hier typische Anwendungsfälle.
  • Manchmal werden auch beide Verfahren kombiniert, beispielsweise bei Messing. Erst wird geheftet durch Schweißen und anschließend gelötet.

Was beim Löten und was beim Schweißen passiert

Beide Verfahren beschreiben Fügeverfahren, wobei im Werkstück etwas grundlegend Anderes passiert. Beim Löten bleibt der Grundwerkstoff fest, und ein Lot mit niedrigerem Schmelzpunkt füllt die Fuge auf. Beim Schweißen hingegen schmilzt der Grundwerkstoff lokal selbst, beim Mikro-WIG-Verfahren in einem kurzen Impuls von 0,1 bis 34 ms auf einem Punkt von 0,2 bis 4,0 mm. Die Wärme wird also gezielt ins Material eingebracht und es kann hier mit oder ohne Zusatzmaterial gearbeitet werden.

Löten: Benetzung statt Verschmelzung

Beim Löten wird ein Lot mit niedrigerem Schmelzpunkt als der Grundwerkstoff aufgeschmolzen. Es benetzt die Fügeflächen, fließt in den Spalt und bildet beim Erstarren die Verbindung. Die Fügeteile bleiben dabei fest. Die Begriffsnorm DIN ISO 857-2 unterscheidet nach der Liquidustemperatur des Lots. Bis 450 Grad Celsius heißt es Weichlöten, darüber Hartlöten. Die früher gebräuchliche dritte Stufe Hochtemperaturlöten oberhalb von 900 Grad stammt aus der abgelösten DIN 8505 und wird umgangssprachlich weiterverwendet, in der aktuellen Norm gehört sie zum Hartlöten.

Schweißen: artgleich aus dem Werkstück heraus

Beim Schweißen wird der Grundwerkstoff an der Fügestelle aufgeschmolzen. Die erstarrte Naht besteht aus demselben Material wie das Bauteil, die Verbindung ist also artgleich. Dabei kann entweder nur Eigenmaterial verschweißt werden, oder auch zusätzlich Schweißdraht mit in die Verbindung eingebracht werden. Beim Mikro-WIG-Schweißen liefert ein kurzer Stromimpuls zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem Werkstück die Energie, während Argon die Schmelze vor der Umgebungsluft schützt. Zusatzmaterial ist nur dann nötig, wenn Material aufgebaut werden soll, und dann im besten Fall artgleich als Schweißdraht.

Löten und Mikro-WIG-Schweißen im Vergleich

Die Kriterien, in denen sich Löten und Mikro-WIG-Schweißen im Werkstattalltag unterscheiden, von der Temperatur im Bauteil über Flussmittel und Nacharbeit bis zur Lösbarkeit der Verbindung. Die vier mit der größten Wirkung auf den Arbeitsablauf stehen anschließend ausführlich. Bezugsgröße auf der Schweißseite ist der Arbeitsbereich der Lampert-Geräte, 9 bis 630 A beim PUK 6.1 und 5 bis 1.200 A beim Micro Arc Welder, bei jeweils 0,1 bis 34 ms Impulsdauer.

KriteriumLötenMikro-WIG-Schweißen
VerbindungsmechanismusZusatzwerkstoff schmilzt und benetzt die Fügeteile, diese bleiben festDer Grundwerkstoff selbst schmilzt und erstarrt zu einer artgleichen Verbindung
Temperatur im BauteilDas ganze Bauteil muss auf Arbeitstemperatur gebracht werdenWärme bleibt lokal, das Bauteil bleibt in der Regel handwarm
ZusatzwerkstoffLot, also eine Fremdlegierung in der FugeKein Zusatz nötig, bei Materialaufbau artgleicher Schweißdraht
FlussmittelErforderlich, außer beim Löten unter Schutzgas oder VakuumNicht erforderlich, Argon übernimmt den Schutz der Schmelze
NacharbeitBeizen, Neutralisieren, Politur erneuernEntfällt größtenteils
FestigkeitBestimmt durch das Lot, meist unterhalb des GrundwerkstoffsKann die Festigkeit des Grundwerkstoffs erreichen
OptikLotnaht hat eine andere Farbe und läuft anders anArtgleich, nach dem Polieren praktisch unsichtbar
KorrosionFremdmetall in der Fuge und Lotspalte begünstigen Kontakt- und SpaltkorrosionKeine Fremdlegierung, kein konstruktiver Spalt
SpaltüberbrückungStärke des Verfahrens, Kapillarspalte typisch 0,05 bis 0,2 mmBegrenzt, die Fügeflächen sollten anliegen
Wärmeempfindliche TeileSteine, Kunststoffe, Federn, Elektronik sind gefährdetKönnen in der Regel im Bauteil bleiben
Mehrfache Verbindungen am TeilErfordert abgestufte Lotfolgen, sonst löst sich die vorherige NahtMeistens beliebig oft wiederholbar
LösbarkeitWeichlötverbindungen sind durch Erwärmen wieder lösbarNicht zerstörungsfrei lösbar

Wärme: der wichtigste Unterschied im Alltag

Wärmeausbreitung beim Löten

Löten funktioniert über Kapillarwirkung und Benetzung, dafür muss die gesamte Fügezone auf Arbeitstemperatur kommen. In der Praxis wird das gesamte Bauteil warm. Dadurch müssen gefasste Steine oftmals ausgefasst werden, Kunststoffteile und Dichtungen sind gefährdet und können schmelzen, benachbarte Lötstellen lösen sich und bei Sterlingsilber entsteht beispielsweise flächig Feuerschein.

Was ein Impuls von wenigen Millisekunden ändert

Beim Mikro-WIG-Schweißen liegt die Impulsdauer zwischen 0,1 und 34 ms. In dieser Zeit schmilzt lokal das Material auf, die Wärme fließt sofort in das umgebende Material ab. Das Bauteil bleibt handwarm, oft lässt es sich während der Arbeit weiterhin in der Hand halten.

Daraus ergeben sich Arbeiten, die mit dem Brenner schlicht nicht gehen.

  • Ringgrößen ändern, während der Stein gefasst bleibt.
  • Verschlüsse an fertig polierte Ketten anschweißen.
  • Sensoren und Gehäuse verschließen, in denen temperaturempfindliche Elektronik sitzt.

Beispiele aus der Praxis finden sich unter Schmuck- und Industrieanwendungen.

PUK-Handstück schweißt eine Krappe an einem Ring mit gefasstem Stein, Papier als Hitzeschutz
Krappe am fertigen Ring: geschweißt wird neben dem gefassten Stein, ohne ihn auszufassen.

Festigkeit: was die Verbindung wirklich trägt

Eine Lötverbindung ist so fest wie das Lot, nicht wie das Bauteil. Silberlote und Goldlote liegen in ihren Festigkeitswerten unter den zugehörigen Grundwerkstoffen, Weichlote deutlich darunter. Kompensiert wird das über die Fläche. Ein Kapillarspalt von typisch 0,05 bis 0,2 mm und eine großzügige Überlappung ergeben eine tragfähige Verbindung, obwohl das Lot für sich genommen weicher ist.

Eine Schweißnaht besteht dagegen aus dem Grundwerkstoff selbst (und oft aus einem artgleichen Draht) und kann dessen Festigkeit erreichen. Es gibt keine Fremdlegierung als Schwachstelle und keinen konstruktiven Spalt in der Fuge.

Geschweißtes Sitzbank-Scharnier einer BMW R100S
Artgleiche Naht an einem tragenden Teil: kein Lot als Schwachstelle, kein Spalt in der Fuge.

Flussmittel, Beizen und der Arbeitsablauf

Löten braucht Flussmittel, damit das Lot benetzt und die Oberfläche oxidfrei bleibt. Nach dem Löten müssen die Rückstände entfernt werden, üblicherweise durch Beizen und Neutralisieren, sonst wirken sie korrosiv. Danach wird die Politur neu aufgebaut. Beim Mikro-WIG-Schweißen fällt diese Kette komplett weg, weil das Schutzgas die Aufgabe des Flussmittels übernimmt: Argon 4.6 mit einer Reinheit von 99,996 %.

Das Argon verdrängt den Sauerstoff aus der Schweißzone, solange die Stelle heiß ist, bei rund 2 l/min und mit automatischer Vor- und Nachströmung. Kein Flussmittel heißt keine Rückstände, kein Beizen, kein Neutralisieren.

Der eigentliche Gewinn liegt in der Reihenfolge der Arbeitsschritte. Ein Werkstück kann vollständig fertiggestellt und gefasst werden, anschließend geschweißt und dann poliert werden. Beim Löten läuft es umgekehrt: erst fügen, dann beizen, dann die Oberfläche wiederherstellen. Bei Reparaturen an fertigen Stücken ist dieser Unterschied der eigentliche Zeitgewinn, nicht die Sekunden am Impuls.

Bleiben nach dem Schweißen trotzdem dunkle Stellen zurück, ist das ein Hinweis auf die Gasabdeckung oder auf Rückstände am Werkstück. Die Schweißstelle sollte daher (wie auch beim Löten) vorher immer gereinigt werden.

Mikro-WIG-Feinschweißnaht an dünnem Metallblech, geschweißt mit dem Lampert Micro Arc Welder
Punkt an Punkt gesetzte Feinnaht. Artgleich, nach dem Verputzen praktisch unsichtbar.

Optik, Feingehalt, Korrosion und Biokompatibilität

Die Naht sieht man oder eben nicht

Eine Lotnaht besteht aus einer anderen Legierung als das Werkstück. Sie hat einen leicht abweichenden Farbton, nimmt Politur anders an und läuft im Lauf der Zeit anders an als das umgebende Material. Bei Weißgold, rhodinierten Oberflächen und farbintensiven Legierungen fällt das auf. Eine Schweißnaht ist artgleich und nach dem Polieren fast unsichtbar.

Feingehalt

Lote in der Edelmetallverarbeitung haben konstruktionsbedingt einen niedrigeren Feingehalt als das Werkstück. Wer mit Feingehaltsangaben und Punzierungen arbeitet, muss den Lotanteil im Blick behalten. Beim artgleichen Schweißen stellt sich diese Frage nicht.

Korrosion und Cadmium-Altlasten

Zwei unterschiedliche Metalle in leitender Verbindung bilden ein elektrochemisches Element, das Kontaktkorrosion begünstigt. Dazu kommt der Lotspalt selbst, in dem sich Feuchtigkeit und Rückstände sammeln können. Eine artgleiche Schweißnaht hat weder Fremdmetall noch konstruktiven Spalt. Cadmiumhaltige Hartlote sind in der EU seit 2011 verboten, nach Anhang XVII Eintrag 23 der REACH-Verordnung ab 0,01 % Cadmium im Lot. In Reparaturstücken, die vor dem 10. Dezember 2011 in Verkehr waren, können sie trotzdem stecken.

Dental und Medizintechnik

Genau deshalb hat sich das Feinschweißen in der Zahntechnik und Kieferorthopädie durchgesetzt. Lotspalte im Mundmilieu sind eine Schwachstelle, sowohl korrosiv als auch als Nische für Beläge, und jedes zusätzliche Fremdmetall ist ein zusätzlicher Faktor bei der Werkstoffbewertung. Anwendungsbeispiele finden sich unter Kieferorthopädie und Zahntechnik.

Wo Löten die bessere Wahl bleibt

Ein Feinschweißgerät ersetzt den Lötplatz nicht vollständig. Überall dort, wo ein Spalt konstruktiv gewollt ist, wo eine große Fläche in einem Arbeitsgang verbunden werden soll oder wo zwei sehr verschiedene Metalle zusammenkommen, bleibt Löten das richtige Verfahren. Die Kapillarspalte, auf die eine Lötkonstruktion ausgelegt wird, liegen typisch bei 0,05 bis 0,2 mm, zum Verschweißen müssen die Fügeflächen dagegen anliegen.

  • Spalt als Konstruktionsprinzip: bei Rohr-in-Muffe-, Buchsen- und Steckverbindungen fließt das Lot hinein und verbindet großflächig.
  • Große Flächen: was flächig verbunden werden soll, geht beim Löten in einem Arbeitsgang, beim Feinschweißen Punkt für Punkt.
  • Ungenaue Passung: liegen die Fügeteile nicht sauber an, kann Lot den Spalt füllen. Zum Verschweißen müssen die Flächen Kontakt haben.
  • Sehr unterschiedliche Werkstoffe: bei Paarungen, die beim Aufschmelzen spröde intermetallische Phasen bilden, ist Löten metallurgisch der sichere Weg.
  • Elektronik: Lötstellen sind elektrisch definiert, thermisch schonend und reversibel. Für Leiterplatten ist Löten der Standard.
  • Serienfertigung: Ofen- und Induktionslöten verbinden viele Stellen gleichzeitig und reproduzierbar über die Temperaturführung.
  • Lösbare Verbindungen: Weichlötverbindungen lassen sich durch Erwärmen wieder trennen, eine Schweißnaht nicht.
Krappe wird auf dem Lötklotz mit dem Brenner und Flussmittel gelötet
Löten bleibt richtig, wo ein Spalt gefüllt oder flächig verbunden werden soll. Dafür Flussmittel, Beize und neue Politur.

Beides kombinieren: Fixierschweißen vor dem Löten

Die Verfahren schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Der häufigste Kombinationsfall ist das Fixierschweißen: Die Teile werden mit kurzen, energiereichen Impulsen in exakter Position geheftet und anschließend konventionell gelötet. Das ersetzt Bindedraht, Klemmen und Fixiermasse, die Teile können beim Erwärmen nicht mehr verrutschen, und die Passung stimmt am Ende genau.

Der PUK bringt dafür einen eigenen Fixierschweiß-Modus mit 80 bis 700 A bei 1,5 ms mit, der PUK D einen Fixierschweiß-Anschluss. Weitere sinnvolle Kombinationen aus der Praxis:

  • Poren und Lunker im Guss artgleich zuschweißen, danach normal weiterarbeiten und an anderer Stelle löten.
  • Eine alte Lötstelle mechanisch entfernen und die Reparatur artgleich verschweißen, damit die Naht in Farbe und Anlaufverhalten zum Werkstück passt.
  • Zuerst die wärmeempfindliche Baugruppe schweißen, danach die unkritische Grobverbindung löten.

Entscheidungshilfe nach Anwendungsfall

Die Kurzfassung für den Werkstattalltag, sortiert nach Aufgabe statt nach Verfahren. Zu jeder Aufgabe steht die Empfehlung und der Grund dafür, damit die Entscheidung nachvollziehbar bleibt und sich auf ein ähnliches Bauteil übertragen lässt. Bei Grenzfällen entscheidet ein Testteil, nicht die Tabelle, denn ab 0,1 mm Materialstärke ist meist beides technisch möglich, und dann verschieben Wandstärke, Legierung und Zugänglichkeit das Ergebnis.

AufgabeEmpfehlungBegründung
Ringgröße ändern bei gefasstem SteinSchweißenDer Stein kann im Werkstück bleiben, kein Ausfassen und Neufassen
Krappen und Klauen ergänzenSchweißenMaterialaufbau an kleinsten Strukturen, ohne die Fassung zu erwärmen
Poren und Lunker im Guss füllenSchweißenPunktueller Materialauftrag artgleich, kein Lotton in der Fehlstelle
Kieferorthopädische Drähte und ApparaturenSchweißenKein Fremdmetall und kein Lotspalt im Mundmilieu, Draht behält seine Eigenschaften
Chirurgische Instrumente reparierenSchweißenArtgleiche Naht ohne Spalt, in dem sich Rückstände sammeln
Sensorgehäuse hermetisch verschließenSchweißenDichte, artgleiche Naht, per Lecktest prüfbar
Rohr in Muffe, KapillarverbindungLötenDer Kapillarspalt ist die Konstruktionsgrundlage, Lot fließt hinein
Lange Naht oder große FlächeLötenFlächige Verbindung in einem Arbeitsgang statt Punkt für Punkt
Sehr unterschiedliche Werkstoffe verbindenLötenLot benetzt beide Seiten, ohne spröde Mischphasen zu erzeugen
Elektronische BauteileLötenDefinierter elektrischer Kontakt, reversibel, bauteilschonend

Kosten: was pro Verbindung wirklich anfällt

Der Kostenvergleich hängt weniger an der Anschaffung als an der laufenden Nacharbeit. Beim Löten fällt pro Verbindung Material an, Lot, Flussmittel, Beize und Brenngas, beim Feinschweißen fast nur Argon bei rund 2 l/min und die Elektrode. Entscheidend ist aber die Arbeitszeit, denn Beizen, Neutralisieren und Nachpolieren entfallen. Komplett-Setups beginnen netto ab Werk bei rund 4.400 EUR.

Was beim Löten anfällt

Pro Verbindung: Lot, bei Edelmetallen selbst ein Wertstoff, Flussmittel, Beize, Brenngas, und vor allem Arbeitszeit für Beizen, Neutralisieren und Nachpolieren. Dazu kommt das Ausschussrisiko an wertvollen Teilen, wenn Steine, Federn oder Kunststoffe die Wärme nicht überstehen.

Was beim Feinschweißen anfällt

Anschaffung des Geräts, danach Argon bei rund 2 l/min, Elektroden, die sich mehrfach nachschleifen lassen, und bei Materialaufbau Schweißdraht. Pro Verbindung ist der Verbrauch minimal, die Nacharbeit entfällt weitgehend.

Woran sich die Amortisation entscheidet

Sie hängt an eingesparter Nacharbeit, vermiedenem Ausschuss und Aufträgen, die vorher außer Haus gingen. Funktionsfähige Komplett-Setups mit Augenschutz und Gasversorgung beginnen netto ab Werk bei rund 4.400 EUR für den PUK, 5.100 EUR für den PUK D und 7.000 EUR für den Micro Arc Welder. Leasing ist möglich. Worauf beim Gerätekauf sonst zu achten ist, steht im Beitrag Woran erkennt man ein hochwertiges Schweißgerät.

Die Lampert-Geräte im Überblick

Alle drei Profi-Geräte arbeiten nach demselben Mikro-WIG-Prinzip und unterscheiden sich in Leistung, Programmen und Zielanwendung. Der PUK deckt mit 9 bis 630 A Gold- und Silberschmiede ab, der PUK D dieselbe Leistung plus einen Mikro-Modus unter 0,2 mm für kieferorthopädische Drähte, der Micro Arc Welder mit 5 bis 1.200 A Industrie, Labor und Reparatur. Wer ein Gerät vor Ort ausprobieren möchte, findet über Händler finden den nächsten Ansprechpartner.

MerkmalMicro Arc WelderPUKPUK D
EinsatzbereichIndustrie, Labor, Forschung, ReparaturGold- und Silberschmiede, Juweliere, UhrmacherZahntechnik, Dentallabor, Kieferorthopädie
Spitzenstrom (WIG)5 bis 1.200 A9 bis 630 A9 bis 630 A
Impulsdauer0,1 bis 34 ms0,1 bis 34 ms0,1 bis 34 ms
Minimale Werkstückdickeab 0,1 mmab 0,1 mmMikro-Modus unter 0,2 mm für KFO-Drähte
Fixieren vor dem Lötenüber kurze Impulseeigener Fixierschweiß-Modus, 80 bis 700 A bei 1,5 msFixierschweiß-Anschluss
Werkstoff-Programme12 (Universal, Gold, Silber, Platin, Palladium, Bronze, Edelstahl, Titan, Aluminium, Zinn, Messing, Kupfer)1110 Dentallegierungen
SchutzgasArgon 4.6, ca. 2 l/min, automatische Vor- und Nachströmung, kein Flussmittel
SchnittstelleModbus TCP/IP über LAN, 21 dokumentierte Registerohneohne
ZertifizierungEN 60974-6, EN 61000-6-2/-6-4, EN 63000 (RoHS), CE und UKCA
Garantie1 Jahr3 Jahre3 Jahre
Investition (Komplett-Einstieg)ab ca. 7.000 EUR nettoab ca. 4.400 EUR nettoab ca. 5.100 EUR netto

Häufige Fragen zu Schweißen und Löten

Ist eine Schweißnaht immer stärker als eine Lötnaht?

Im Grundsatz ja, weil die Schweißnaht aus dem Grundwerkstoff selbst besteht und dessen Festigkeit erreichen kann, während eine Lötnaht die Festigkeit des Lots hat, und die liegt in der Regel darunter. In der Praxis kommt es aber auf die Ausführung an: Eine großflächige Hartlötverbindung mit sauber ausgelegtem Spalt kann tragfähiger sein als eine fehlerhaft geschweißte Naht. Der Vorteil des Schweißens liegt darin, dass die Verbindung artgleich ist und keine Fremdlegierung als Schwachstelle in der Fuge sitzt.

Was ist der Unterschied zwischen Weichlöten und Hartlöten?

Die Grenze liegt bei 450 Grad Celsius, und zwar an der Liquidustemperatur des Lots. Nach DIN ISO 857-2 heißt es Weichlöten, wenn das Lot unterhalb von 450 Grad flüssig wird, und Hartlöten oberhalb davon. Weichlote sind meist Zinnbasislote und ergeben vergleichsweise weiche Verbindungen, Hartlote auf Silber-, Messing- oder Goldbasis deutlich festere. Die früher übliche dritte Stufe Hochtemperaturlöten oberhalb von 900 Grad stammt aus der abgelösten DIN 8505; die aktuelle Begriffsnorm kennt nur noch die beiden Kategorien, auch wenn der Begriff in der Praxis weiterlebt.

Kann ich mit einem Mikro-WIG-Schweißgerät neben gefassten Steinen arbeiten?

Ja, das ist einer der Hauptgründe für das Verfahren im Schmuckbereich. Der Impuls dauert nur Bruchteile einer Millisekunde bis wenige Millisekunden, die Wärme bleibt lokal und das Bauteil erwärmt sich insgesamt kaum. Ringgrößen ändern, Krappen ergänzen oder Verschlüsse anschweißen ist deshalb möglich, ohne den Stein auszufassen. Beim Löten müsste das Werkstück großflächig auf Löttemperatur gebracht werden, was viele Steine nicht überstehen.

Kann man Schmuck schweißen statt löten?

In den meisten Reparatur- und Montagefällen ja. Der Vorteil ist doppelt: kein Fremdmetall in der Fuge, also keine sichtbare Lotnaht und kein abweichendes Anlaufverhalten, und kein flächiger Wärmeeintrag, also keine ausgefassten Steine und weniger Feuerschein. Für Kapillarverbindungen, Spaltüberbrückung und große Flächen bleibt das Löten der richtige Weg.

Muss ich nach dem Schweißen beizen?

Nein. Beim Mikro-WIG-Schweißen wird kein Flussmittel eingesetzt, das Argon übernimmt dessen Aufgabe und hält Sauerstoff von der Schmelze fern. Für den Arbeitsablauf heißt das, dass ein Werkstück fertig bearbeitet, gefasst und poliert werden kann und erst danach geschweißt wird. Beim Löten muss die Oberfläche hinterher wieder aufgebaut werden.

Kann ich eine alte Lötstelle einfach überschweißen?

Nein, das führt fast immer zu Poren und Einschlüssen. Weichlote enthalten Zinn und teils Blei, Hartlote Zink, ältere Silberlote auch Cadmium. Diese Elemente sieden weit unter der Schweißtemperatur, verdampfen schlagartig und verunreinigen das Schmelzbad. Die Lotreste müssen vorher mechanisch entfernt werden, bis blankes Grundmaterial ansteht.

Darf ich cadmiumhaltiges Lot noch verwenden?

Nein. Nach Anhang XVII Eintrag 23 der REACH-Verordnung, ergänzt durch die Verordnung (EU) 494/2011, dürfen Hartlote und Metallteile von Schmuck ab einem Cadmiumgehalt von 0,01 Gewichtsprozent nicht mehr verwendet oder in Verkehr gebracht werden. Ausgenommen ist unter anderem Schmuck, der vor dem 10. Dezember 2011 bereits in Verkehr war oder damals älter als 50 Jahre war, und genau dieser Altbestand kommt in die Reparaturwerkstatt. Wenn die Herkunft einer alten Lötstelle unklar ist, sollte das Lot mechanisch entfernt und der Arbeitsplatz wirksam abgesaugt werden, denn beim Verdampfen entstehen giftige Cadmiumoxid-Dämpfe.

Was ist Fixierschweißen und wann brauche ich es?

Fixierschweißen heftet zwei Teile mit kurzen, energiereichen Impulsen in exakter Position, bevor sie konventionell gelötet oder weiterbearbeitet werden. Es ersetzt Bindedraht, Klemmen und Fixiermasse und ist damit die häufigste Kombination aus beiden Verfahren. Parameter und weitere Anwendungsfälle stehen oben im Abschnitt Beides kombinieren.

Kann ich unterschiedliche Metalle miteinander verschweißen?

Teilweise. Verwandte Werkstoffe wie unterschiedliche Edelstähle oder Goldlegierungen unterschiedlicher Feingehalte lassen sich in der Regel gut verbinden. Bei sehr unterschiedlichen Metallen entstehen dagegen spröde intermetallische Phasen, dort ist Löten oft der bessere Weg, weil das Lot die beiden Werkstoffe benetzt, ohne sie aufzuschmelzen. Für konkrete Paarungen lohnt eine Musterschweißung, bevor man in Serie geht.

Lohnt sich ein Feinschweißgerät für eine kleine Werkstatt?

Nicht am Stückpreis pro Verbindung, sondern an der eingesparten Nacharbeit und am vermiedenen Ausschuss, und daran, welche Aufträge dann im Haus bleiben. Die Posten im Einzelnen stehen oben im Abschnitt zu den Kosten. Funktionsfähige Komplett-Setups beginnen netto ab Werk bei rund 4.400 EUR für den PUK, Leasing ist möglich.

Über diesen Beitrag

Dieser Beitrag stammt von Lampert Werktechnik, Hersteller der Mikro-WIG-Feinschweißgeräte PUK, PUK D und Micro Arc Welder. Das Unternehmen wurde 2001 in Werneck in Unterfranken gegründet und entwickelt, fertigt und wartet dort seit mehr als 20 Jahren. Die Geräte sind in über 100 Ländern im Einsatz, das Händlernetz umfasst über 60 Länder. Die Angaben in diesem Beitrag stammen aus den Bedienungsanleitungen, den Konformitätserklärungen und der täglichen Anwendungsberatung.

Konkrete Frage zu einem eigenen Bauteil? Das Applikations-Team schweißt es kostenfrei und dokumentiert die Parameter in einem schriftlichen Schweißbericht. Anfrage über unser Kontaktformular, Details zum Ablauf auf der Seite Vor-Ort-Testschweißung. Wer ein Gerät vor Ort sehen möchte, findet über Händler finden den nächsten Ansprechpartner.

Fazit: wofür Schweißen, wofür Löten

Löten verbindet über einen Zusatzwerkstoff und braucht dafür Wärme im ganzen Bauteil, Flussmittel und Nacharbeit. Feinschweißen verschmilzt das Bauteil selbst, punktuell in 0,1 bis 34 ms auf 0,2 bis 4,0 mm, ohne Flussmittel und ohne Beizen. Wo es um wärmeempfindliche Teile, artgleiche Optik, Korrosionsfreiheit in der Fuge oder Reparaturen an fertigen Stücken geht, ist das Schweißen im Vorteil. Wo Spalte überbrückt, Flächen verbunden oder ungleiche Werkstoffe gefügt werden sollen, bleibt Löten das richtige Verfahren.

Die meisten Werkstätten fahren deshalb zweigleisig und nutzen das Fixierschweißen als Brücke zwischen beiden. Wer wissen will, wie das eigene Bauteil reagiert, schickt Werkstoff, Wandstärke und Anforderung über unser Kontaktformular und bekommt eine kostenfreie Musterschweißung mit schriftlichem Schweißbericht zurück. Weiterführend: Mikroschweißen und Feinschweißen im Überblick und das Glossar.

Frage zu einem konkreten Bauteil?

Unsere Anwendungstechniker sehen sich Ihre Fügeaufgabe an und antworten mit belastbaren Angaben zu Werkstoff, Parametern und Machbarkeit. Eine Musterschweißung mit schriftlichem Schweißbericht ist kostenfrei und ab 0,1 mm Materialstärke möglich. Das Ergebnis kommt mit den eingestellten Parametern zurück, damit Sie es an Ihrem Bauteil nachvollziehen können.

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